Die deutsche Nationalmannschaft – unvollständige Gedanken

OFF-TOPIC

 

Vorweg: Ich bin kein ausgewiesener Fan dieser Mannschaft, war es eigentlich noch nie. Es gab Teams, die waren mir sympathischer, andere weniger. Die Elf von 1972 z.B. hatte es mir angetan. Netzer, Grabowski, und, und, und. EM-Endspiel in Brüssel – ich war dabei. Technischer Fußball vom Feinsten. Dann der Tiefpunkt, WM 1982. Die Schande von Gijon, das brutale Foul von Toni Schumacher und vor allen Dingen die Reaktionen danach. Manchmal war ich stolz auf die DFB-Truppe, manchmal schämte ich mich für sie.

Emotional habe ich mich allerdings schon länger von dem Konstrukt DFB-Elf, die Mannschaft, entfernt. Spielt sie guten Fußball, freue ich mich, spielt sie mies, dann stimmt mich das nicht traurig. Ich nehme es zur Kenntnis. Sicherlich rümpfen jetzt einige (viele) die Nase. Ich bin eher Fußballfan, und mein Herz gehört in diesem Sport ausschließlich Rot-Weiss Essen. Reine Gefühlssache, Erklärungsversuche zwecklos.

Was das aktuelle Team des DFB betrifft, nun, das Sportliche ist ins Hintertreffen geraten. Alles dreht sich derzeit um die Herren Özil und Gündogan. Ihre Fotoaktion mit dem Türkischen Autokraten Erdogan hat eine Diskussion losgetreten, die wie eine Lawine über die Medienlandschaft hinwegfegt und ganz sicher auch nicht in Russland zu stoppen sein wird. Ich will hier gar nicht auf die Beweggründe der beiden Deutschen Nationalkicker eingehen – die Wahrheit geben sie eh nicht preis -, vielmehr erzeugt der Umgang, das sogenannte Krisenmanagement, des mächtigen Fußballverbandes für heftige Übelkeit in meinem Körper.

„Alles unglücklich, naiv, vielleicht auch unüberlegt“, so der Tenor der Herren Grindel und Co zum Fotoshooting samt Ritterschlag für den türkischen Staatspräsidenten. Die kleinen Dummerchen, die.

Migrations-Versteher Löw, Werbeeinnahmenoptimierer Bierhoff, sogar Staatsoberhaupt Steinmeier betonen, wie sehr die beiden hart kritisierten Spieler doch die Deutschen Werte schätzen, was immer das auch sein mag. Wie sehr sie Land und Leute lieben. Das war der Moment, wo mir fast alles aus dem Gesicht fiel. Da gibt es eine selbsternannte Elite, welche mich/uns wohl für doof verkaufen wollen.

Unabhängig davon, was ich von der Wahlwerbung für Erdogan halte, Gündogan und Özil zeigen keinerlei Rückgrat. Wenn sie sich schon so offen bekennen, dann sollten sie so viel Mumm besitzen und zu ihrer Meinung stehen. Aber nein, der eine schweigt, der andere schwafelt vor ausgesuchten Journalisten weichgekaute Phrasen, also Placebos für das Fußvolk.

Grindel, Bierhoff, Löw, verstehen die Welt nicht mehr. Kein Wunder, sie leben schon seit Längerem in einem anderen Universum. Völlig abgehoben, die Herrschaften. Wer weiß, vielleicht treffen sie demnächst auf Alexander Gerst.

Mir geht es überhaupt nicht darum, wer welchen Migrationshintergrund besitzt, wer die Nationalhymne aus vollem Herzen mitsingt oder nicht, mir geht es darum, offen und ehrlich die Realitäten zu benennen. Die Nationalmannschaft ist nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, nicht mehr und nicht weniger. Anfang der Neunziger war es der DFB selbst, der Spieler wie den gebürtigen Südafrikaner Sean Dundee oder Paulo Rink (Brasilien) für eine Deutsche Länderspielkarriere überredete. Nur mal so nebenbei.

Was die WM in Russland angeht, so freue ich mich auf viele spannende Spiele, technische Kabinettstückchen, tolle Tore, einfach auf guten, hochklassigen Sport. Ich will keine Spaßbremse sein, allen Fußballfans, allen Fans der Deutschen Nationalelf, wünsche ich ´ne Menge Fun beim Zuschauen, egal ob beim Public Viewing, vor Ort oder im stillen Kämmerlein.  Wenn die „Mannschaft“ kräftig und erfolgreich dabei mitmischt, habe ich wahrlich nichts dagegen. Nur für mein Wertgefühl ist das unerheblich, für mich spielen sie nicht. Brauchen sie auch nicht. Ich bin auch so froh in Deutschland geboren zu sein. Nur, dafür kann ich nix.

Sportliche Grüße,

der Happo

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