Happos Westkurve die 125.te

Eine ereignisarme Woche rund um Rot-Weiss Essen liegt hinter uns. Keine Verletzten, keine Entlassungen, keine Streitereien. Von wegen, immer Ärger mit den Jungs von der Hafenstraße. Noch nicht einmal spielen durften sie. Alle reden vom Wetter, besonders wenn es sich um Begegnungen im Niederrheinpokal-Wettbewerb oder diversen Regionalligen handelt. Je geringer das Medieninteresse, desto höher das Risiko, den Rasen für unbespielbar zu erklären. Auch wenn es nachvollziehbar ist, hätten sich TV-Sender angesagt, die Viertelfinal-Partie im Paul-Janes-Stadion gegen TuRu Düsseldorf wäre garantiert nicht ins Wasser gefallen. Damit muss man leben.

Sonntag war also frei, dafür gab es ja den Black-Friday und zusätzlich noch den Cyber-Monday als Entschädigung. Und ewig lockt das Sonderangebot. Manchmal glaube ich, nicht nur die Preise werden reduziert. Das Geschäft mit dem Chinesischen Fußballverband haben sich die Herren vom DFB bestimmt auch anders vorgestellt. In diesem Jahr wird die U20 der Chinesen jedenfalls kein finanziell schmackhaft zubereitetes Freundschaftsspiel mehr gegen einen Süd-West Regionalligisten austragen. Das Projekt scheint mit wehenden Tibet-Fahnen unterzugehen. Politik und Sport sind entgegen sämtlichen, anderslautendenden Beteuerungen halt doch eng miteinander verbandelt.

Und über allem schwebt der Mammon. Wer´s nicht glaubt, dem empfehle ich das Buch „Football Leaks“ von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger. Erschreckende Zustände im Profifußball, zudem bewiesene. Was hat das alles mit Rot-Weiss Essen zu tun? Eine berechtigte Frage, jedoch einfach zu beantworten. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist auch im Fußballsport dermaßen auseinandergedriftet, dass die Lücke(n) kaum noch geschlossen oder aufgeholt werden können. Es sei denn, einer dieser Muli-Milliardäre (Millionäre sind zu arm) öffnet seine Portokasse für diesen, unseren Club.

Doch wenn der Ball einmal rollt, gelten neue Regeln – Emotion schlägt Prinzipien!  Die aktuellen Schlagzeilen suggerieren zwar, es gäbe nur zwei Vereine im Westen, (das Derby in Dortmund war unstrittig aufregend), doch die Gefühle aller Fans, unterscheiden sich nicht einen Millimeter von denen der Anhänger des BVB und S04. Freude und Frust empfindet man identisch, sobald das Herz mit im Spiel kommt. Von daher bin ich sicher, dass zumindest die Zeitzeugen meine Gefühle nachvollziehen können, wenn ich an die Hinrunden-Begegnung im Stadion Essen gegen den kommenden Gegner, Wuppertaler SV, denke. Zum Glück liegen die Beta-Blocker in Griffnähe. Selten war ich so sauer auf Mannschaft, Trainer und Verein, wie nach dieser Partie.  Noch heute unerklärlich, diese Anti-Leistung, einfach nur leb-, kraft- und ideenlos. Das Mini-Pflänzchen Hoffnung hatte null Chance, zu überleben. Für mich war es der Anfang vom Ende von Ex-Coach, Sven Demandt.

Cut!

Diesmal bin ich gewappnet und zudem ziemlich sicher, dass wir eine andere, weitaus kämpferischere, läuferisch wie taktisch überzeugende Truppe erleben werden. Wuppertal ist durch das Aus im Pokal gegen den Oberligisten Jahn Hiesfeld angeschlagen, das können die drehen und wenden, wie sie wollen. Solche Niederlagen hinterlassen Spuren, vor allen Dingen im Fanlager. Cooler Kopf, heißes Herz – eine Kombination, die im Stadion Zoo den Essener Anhang jubeln lassen wird.

Denn merke:  an Essen führt kein Weg vorbei. Sieht man jeden Tag auf der A40.

Kommenden Sonntag kann uns niemand stoppen, höchstens das Wetter.

Ihr werdet (es) sehen,

der Happo

 

Der Artikel erschien unter dem Titel  „Freude und Frust empfinden alle Fußballfans gleich“, in der WAZ und NRZ Lokalteil Essener Sport

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