Happos Westkurve die 127.zigste

 

Ist die Regionalligasaison eigentlich schon beendet?

Erneut hagelte es Spielausfälle, nur weil es mal schneite. Zuviel für Rasen und Tribünen, so die unabhängigen (?) Platzkommissionen. Dabei war die Schneedecke an der Hafenstraße nur geringfügig dicker, als die dünne Spielerdecke der Rot-Weissen.

Eine Rasenheizung ist nur hilfreich, wenn sie eingeschaltet ist und dadurch nicht zu viel Geld verheizt wird. Finanziell kam die Absage vermutlich nicht ungelegen. Zudem hätte RWE ohne ihren erfolgreichsten Torjäger, Marcel Platzek, antreten müssen. Der Blinddarm, ein ausgesprochen reizender Körperteil. Schnelle Genesung, Herr Angriffsführer!  

„Das sind doch alles nur noch Helden in Strumpfhosen“ höre ich Kampfrentner Bauke wettern. Die Spieler können ja nichts für die Ausfälle, aber in der Tat, gerade die Partien im legendären Georg-Melches Stadion, welche unter extremen Wetter- und Platzbedingungen ausgetragen wurden, –  wie z.B. die Schlammschlacht 1970 gegen Borussia Mönchengladbach – lassen die betagteren RWE-Herzen noch heute höherschlagen. So ein Matsch-Match (mein Wort des Monats) hatte zwar mit Fußball wenig gemein, besaß aber einen enorm hohen Unterhaltungswert.

Für Unterhaltung, besser gesagt, für Diskussionsstoff, sorgten vor wenigen Tagen die männlichen Vertreter der 21 Landesverbände  – Damen müssen leider draußen bleiben, als sie ihre Thesen zur Regionalligareform an die Türen der DFB-Zentrale in Frankfurt schlugen. Gemeinsam, einhellig. Das hat mich stutzig gemacht. Standen doch alle Zeichen auf Sturm, als die verschiedenen Varianten publik wurden. Und jetzt diese Geschlossenheit?

Ich musste unweigerlich an die Bilder von jubelnden, überschwänglich glücklichen Menschen nach einem Atomraketentest in Nordkorea denken. Oder an die „Wackel-Dackel-Figuren“ hinter Donald Trump, wenn dieser gestenreich ein weiteres Sekret oder wie das heißt, unterschreibt. Zustimmung pur. Meine Güte, wir leben doch in Deutschland, hier herrscht Meinungsfreiheit. Da reißt einem doch niemand gleich den Kopf ab, wenn man Gegenargumente liefert. Es sei denn, man ist ein Stutenkerl.

Wie auch immer, beschlossen ist beschlossen. Ja, eine äußerst gelungene Regelung – und Sepp Blatter ist nicht korrupt. Die Einzelheiten des auf zwei Jahre begrenzten Modells erspare ich mir hier, will keine weitere Verwirrung stiften. Ein Beipackzettel für Medikamente liest sich auf jeden Fall verständlicher. Mich wundert nur, dass ein dritter fester Aufstiegsplatz aus den fünf Regionalligen nicht per Fingerhakeln, anstelle einer Auslosung ermittelt wird. Das wäre doch mal ein kleines Entgegenkommen an Dr. Rainer Koch, dem DFB-Vize aus Bayern, und seinen Bayerischen Fußballverband. Mir ist schon bewusst, dass bei so vielen gegensätzlich gelagerten Interessen, keine Entscheidung die Zustimmung sämtlicher Vereine erhalten wird.

Anderseits bin ich fest davon überzeugt, dass von vornherein ein falscher Ansatz gewählt wurde, indem man nämlich zunächst die Landesverbände zufriedenstellen wollte und nicht die Lösung für den Sport in den Mittelpunkt hievte. Das Ergebnis kann und konnte dann nur lauten: Meister müssen aufsteigen! Alles andere ist unsportlich, nicht fair. Für Zeitschinderei gibt es doch eine Gelbe Karte, oder? Und bei Wiederholung?  Schade auch, dass die Solidarität dann endet, wenn man nicht mehr selbst betroffen ist. Aber warum soll das im Fußball anders sein, als im richtigen Leben?!

Ob Rot-Weiss Essen am Freitag planmäßig gegen die Reserve des FC Köln antreten darf (muss), hängt weniger von Funktionären ab, vielmehr spielt mal wieder das Wetter eine entscheidende Rolle. Unberechenbar ist beides.

Bei Anpfiff droht Sieg. Mehr erwarte ich nicht.

Bleibt standhaft, für ´nen „Guten Rutsch“ ist es noch zu früh.

der Happo

 

Der Artikel erschien unter dem Titel  „Alles nur noch Helden in Strumpfhosen“ in der WAZ,  WP, und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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