Happos Westkurve die 129.zigste

 

RWE hinterlässt zum Jahresausklang viele Fragen – so lautete die Überschrift meiner letzten Kolumne.

Beantwortet ist bisher nichts, jedenfalls fast nichts.

Okay, es war zu lesen, dass Prof. Dr. Welling zum 31. Januar seinen Schreibtisch räumen wird. Enden damit auch die Gehaltszahlungen? Für die Finanzen beider Vertragsparteien sicherlich nicht ganz unwichtig,

Fällt das Wort Finanzen im Zusammenhang mit Rot-Weiss Essen, wird der Stadionbetreiber, also die GVE, umgehend hellhörig. Schade, dass sie beim Bau und den daraus resultierenden Folgekosten nicht annähernd so reaktionsschnell handelten, wie derzeit.

Immerhin, in diesem Zusammenhang zählen Verträge noch etwas. Gilt dies auch im Profifußball? Man könnte meinen, nein. Doch ich glaube, die Vertragsinhalte sind wichtiger denn je. Sie sind eine ideale Spielwiese für Berater und Anwälte, sozusagen deren Hybrid-Rasen. Wer seinem Verein treu bleibt, ist der Doofe. All das funktioniert nur, weil alle mitmachen, auch die Clubs. Resignierend heißt es dann, so ist das Geschäft, der Markt, das System. Doch am Ende verdienen immer einzelne Menschen. Das ist Fakt, meinetwegen auch ein alternativer. Ist doch egal – Schweinerei bleibt Schweinerei.

Als die Meldung vom Wechsel „unseres“ Trainers, Agi Giannikis zum Drittligisten VfR Aalen in den Medien veröffentlich wurde, drehte sich vielen RWE-Fans der (Sau-)Magen um. Vertraglich wie arbeitsrechtlich nicht zu beanstanden. Im Grunde ein Vorgang, der auch in der „normalen“ Arbeitswelt gang und gäbe ist. Nur beim Fußball spielen Emotionen eine weitaus größere Rolle. Wer nicht das Beste für den eigenen Verein gibt, ihm sogar schadet, der hat schlechte Karten und eine Menge Sympathien und Glaubwürdigkeit verspielt. 

Ich gehe nicht soweit und behaupte, Argirios Giannikis ist charakterlos, aber mit diesem Verhalten unterstützt er die im Fußball-Business vorherrschenden, unaufrichtigen Machenschaften. Schade. Aussagen wie, „Ich will hier etwas aufbauen, etwas bewegen, bin stolz, in diesem Umfeld arbeiten zu können“, …usw, sollten grundsätzlich unter Strafe gestellt, geschweige denn veröffentlicht oder gedruckt werden. Mehr Fake-News geht kaum. Es dürfte nicht lange dauern, bis die Ablösung von Herrn Giannikis verkündet wird. Darauf einen Ouzo.

Laut kürzlich veröffentlichter Statistik können Facharbeiterstellen angeblich erst nach 99 Tagen besetzt werden, und Rot-Weiss Essen ist auch nicht der NRW-Landtag, wo sie sich mal eben so nebenbei und geräuschlos einen Zuschlag von 89% für Mitarbeiterkosten genehmigen können, aber ich bin sicher, ein geeigneter Kandidat wartet bereits in der Pipeline.

Denn trotz aller Enttäuschung, gerade die Personalie Giannikis zeigt, Qualität muss nicht unbedingt viel kosten. Es macht keinen Sinn, den „Großen“ nachzueifern, ewig hinterher zu hecheln, Erfolg zu suchen, koste es, was es wolle. Rot-Weiss Essen sollte seine Nische finden, seinen Platz im Fußballzirkus. So wie ein paar Etagen höher der SC Freiburg. Langfristig ausgelegte Pläne halte ich in der heutigen, hektischen Zeit für weniger zielführend. RWE als Sprungbrett für verkannte, aber hungrige Talente, Ein Geschäftsmodell? Der Vorteil liegt auf der Hand – wir Fans wissen, was Sache ist, brauchen uns nichts mehr vormachen und könnten trotzdem spannende Spiele mit unserem Verein erleben. Nur ein Gedanke, wohlmöglich nicht zu Ende gesponnen.

Doch irgendwie muss es weitergehen, mit Rot-Weiss Essen. Besser ist das.

Man wird sehen,

der Happo 

 

Der Artikel erschien unter dem Titel  „Rot-Weiss Essen sollte das „Freiburger Modell“ wählen“ in der WAZ,  WP, und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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