Happos Westkurve die 134.zigste

„RWE taucht immer tiefer in den Abstiegsstrudel“. So lautete die Schlagzeile in der WAZ vom 07.03.1988 nach der 0:1 Niederlage der Rot-Weissen im Wattenscheider Lohrheidestadion.  Übrigens, ganze 5500 Zuschauer waren damals live vor Ort. Also alles beim Alten? Könnte man meinen, bis auf den nicht unwesentlichen Umstand, dass es sich um eine Begegnung aus der Zweiten Bundesliga handelte.

Sicherheits-Legende Sir Manni hatte mir die Infos zugefaxt. Mittlerweile haben die RWE-Fans die Faxen dicke, aber sowas von.

Die 2:3 Niederlage gegen Bochum 6 war alleine vom Spielverlauf bitter, führte man doch bis zur 89.Minute, und das keineswegs unverdient. Selten war es leichter, Wattenscheid zu besiegen. Eine durchschnittliche Leistung hätte ausgereicht, wenn, ja wenn Keeper Heller sozusagen nicht neben dem Pfosten gestanden hätte. Er wird sich selbst am meisten über seinen gebrauchten Tag ärgern, wie die Offensivkräfte über die vergebenen Torchancen auch.

Ich glaube, der Frust, die Wut und Enttäuschung der meisten Anhänger ist nicht an diesem Spiel festzumachen. Es ist die Summe der mauen, größtenteils emotionslosen Gekicke in dieser und der vorherigen, vorvorherigen Saison und so weiter und sofort. Man kann es einfach nicht mehr ertragen, absolut keinen Schritt weiterzukommen, wenigstens ansatzweise eine positive Entwicklung auf dem Rasen zu erkennen.

Was der Mannschaft meiner Meinung nach am meisten fehlt, ist der unbedingte Siegeswille, die Bereitschaft alles für den Verein zu geben. Hier muss ich mal einen Schwenk zur Box-Veranstaltung“ Essener Fight Night 2“ machen. Unabhängig von der Qualität der Kämpfer, was jeder Zuschauer in der Sporthalle „Am Hallo“ förmlich spüren konnte, waren deren riesengroße Kämpferherzen. Sie brannten darauf zu gewinnen, für sich, für die Fans und für die Stadt Essen! Dass Hauptakteur Patrick Korte in der zweiten Runde k.o. ging, ist schmerzlich – vor allen Dingen für ihn-, aber so ist Schwergewichtsboxen. Meinen Respekt hat er trotzdem gewonnen. Selbst mir ist klar, man kann das nicht eins zu eins auf den Fußballsport übertragen, dafür ist eine Saison einfach zu lang, aber was die Grundeinstellung betrifft: Zur Nachahmung empfohlen! Leichter geschrieben, als umgesetzt und zudem, wer soll die Spieler an ihre „Ehre“ packen, wer findet die richtigen Worte, für Rot-Weiss Essen alles zu geben? Etwa Trainer Giannikis, der bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt den Abschied ankündigte bzw. verkünden ließ? Wohl kaum.

Nach der erneuten Heimniederlage ist die Lawine eh ins Rollen gekommen, der Kopf des Trainers -und nicht nur der – wird immer lautstärker gefordert. Die Phase Wut ist im vollen Gange. Wer darauf setzte, die Saison ohne Personalwechsel an der Seitenlinie durchzubringen, kann die Hoffnung begraben. Es sei denn, die Mannschaft besinnt sich, kämpft wie z.B. in Aachen, legt eine Siegesserie hin und zeigt es allen Skeptikern und Enttäuschten. So wie der Nachwuchs von RWE. Sämtliche Teams bis hin zur C-Jugend verzeichneten am Wochenende Erfolgserlebnisse. Gratulation!

Dienstagabend gastiert das Spitzenteam KFC Uerdingen im Stadion Essen, Samstag reisen die Roten zum Schlusslicht Westfalia Rhynern. Ein Kontrastprogramm, anders als Im TV. Liebend gerne würde ich Spieler und Trainerstab zu ihren begeisternden, erfolgreichen Auftritten gratulieren. Nichts ist unmöglich, schon gar nicht an der Hafenstraße 97A!

der Happo

 

 

Der Artikel erschien unter dem Titel  „Es fehlen unbedingter Siegeswillen und das Herz eines Boxers“ in der WAZ,  WP, und NRZ, Lokalteil Essener Sport

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